Eine Werkstattseite

Stand: April 2020

Die Werkstattseite heißt so, weil sie etwas vorstellt, was noch nicht aufgeführt wurde. Und weil sie etwas vorstellt, was noch nicht abschließend fertig ist. Klar: Die Partitur steht wohl. Allerdings schreib‘ ich diese merkwürdige Besetzung mit Klavier und Orgel immer dann hin, wenn ich eigentlich Orchester meine, aus Gründen des Aufwands, der Kosten, der Probenzeit aber keines verwenden darf oder kann oder sollte. Eigentlich hatte ich durchaus ein Ensemble aus Streichern, Holz- und Blechbläsern im Kopf. Und ein wenig davon steht ja auch schon in den Noten drinnen.

Also: Besetzung (bislang): Zwei Chöre á 3 voci (Sopran/Alt/Bariton), Klavier, Orgel, Horn („Arbeitsvokabel“, übernimmt hier zum Teil die Funktion der Trompeten mit…), Oboe, Pauken (F und C). Im Sanctus zusätzlich eine Posaune, in der Meditation ein Tamtam (großer Gong).

Die „Gesänge zwischen Himmel und Erde“ bilden ein kürzeres Oratorium im klassischen, tonalen Stil. Die Aufführungsdauer beträgt ungefähr eine Stunde.

Im Kern stehen die Ordinariumsteile der katholischen Messe. Die Chöre verwenden die Ordinariumsgesänge der deutschsprachigen Reformation von Johann Spangenberg und Martin Luther. Die Melodien sind in den evangelischen Gottesdiensten verbreitet, und als Kirchenmusiker sind sie mir so vertraut, dass ich sie als Ausgangspunkt für diese Reise durch die Erd- und Himmelsgesänge nehme.

Dieser Rahmen wird geöffnet zu den beiden anderen abrahamitischen Religionen. Im Hintergrund schwingt die Unendlichkeit mit – sowohl der Wege Gottes, als auch der Wege zu Gott. Letztlich schließt dies alle Religionen und alle nicht-religiösen Näherungen an das Spirituelle und das jenseitige mit ein. Die eigene Heimat schließt nicht die Heimat der Nachbarn aus. Beide stehen mit- und nebeneinander.

Nun ist ein einzelnes Stück Musik, auch in mehreren Sätzen, zu knapp, um ein solches „Alles“ formal sinnvoll zu fassen. So möge jede und jeder alle Menschen aller spirituellen Richtungen als Teile Gottes mit hineindenken.

 

Zur Besetzung

Die Besetzung erscheint ungewöhnlich, hat aber ihren Ursprung in den „gemeindlichen Bordmitteln“. Es gibt zwei kleiner besetzte Chöre. Daher die Dreistimmigkeit. Die beiden tiefen Chorstimmen sind als Baritonstimmen geschrieben: Das „f“ der eingestrichenen Oktave wird nicht über-, das f der großen Oktave nicht unterschritten. Beide Töne sind zudem relativ selten.

Allerdings hat sich der Fokus während des Schreibens ein wenig verlagert, und im Ergebnis werden die beiden kleineren Chöre zu einem größeren sechsstimmigen Chor zusammengefasst.

Wie oben bereits angedeutet: Orgel und Klavier stehen als Ersatz für ein Orchester – damit bleibt das Ganze finanziell realisierbar. Meistens bleiben beide Instrumente im mittleren Schwierigkeitgrad. Ausnahme ist der Klavierpart im Credo (ab Resurrexit). Diese Passagen sind schwer. Sie könnten (und sollten ggf. auch…) auf zwei Spieler verteilt werden.​

Alle Vokal-Soli können von Chorsänger/Innen übernommen werden. Technisch schwierige Solo-Partien gibt es nicht. (Das heißt leider nicht, dass diese „Gesänge“ insgesamt technisch einfach wären…, vergl. Bemerkung unten…)

An Blasinstrumenten stehen eine Oboe, ein Horn, eine Posaune  in der Partitur. V.a. die Oboenpartie wird eine/n versierten Spieler/In benötigen. Die beiden Pauken in F und C, sowie das Tamtam in der „Meditatio“ können von einem Einzelnen bedient werden.

 

Zum Schwierigkeitsgrad

Die „Gesänge“ sind vom Schwierigkeitsgrad mit Mozarts Großer c-moll-Messe (KV 427) vergleichbar. Da hier aber Arien fehlen, sind die Chorpartien  anstrengender. Es gibt wenig Pausen, die Chöre sind durchweg „vollbeschäftigt“, die Sopran- und Altstimmen bewegen sich im klassischen Ambitus. Das hohe, zweigestrichene B kommt einmal vor, das hohe, dreigestrichene C am Schluss des Credo ist optional.

Gesänge zwischen Himmel und Erde

(Messe in f-moll)

1. Teil – Gesang an die Barmherzigkeit

(Kyrie)

 

Chor mit Verwendung von Martin Luthers deutschsprachigem „Kyrie“ (1526). Der kurze Introitus verweist auf den Psalm vom Sonntag Reminiszere, der das Bitt- und Erbarmenmotiv enthält.

Zweiter Teil – Ein Gesang der Engel

(Gloria)

 

Der erste Chor der Engel in der Messe. Im vorliegenden Satz unter Verwendung des deutschsprachigen „Ehre sei Gott“ von Johann Spangenberg (1534). Das vorangestellte Dictum aus Lukas 2 kommt aus der Weihnachtsgeschichte, also dem Ursprung des Gloria-Beginns.

3. Teil – Gesänge der Menschen

(Dialog und Meditation über Gottesnamen)

 

Dialog im Sinne von Lessings „Nathan, dem Weisen“. Glaubenswahrheiten sind keine naturwissenschaftliche Wahrheiten. Gott als Kaleidoskop von Bildern und Eigenschaften. Wer wollte urteilen, welche Wege zu Gott die „Richtigen“ sein sollten? und welche nicht!?…

Die „Meditatio“ ist früher unter dem Titel „Aspekte Gottes“ entstanden. Für diese „Gesänge“ hab‘ ich sie umgeschrieben und der Besetzung angepasst. Immerhin – das Tamtam ist geblieben… 😉 Formal ist es eine Choralbearbeitung über Philipp Nicolais „Wie schön leuchtet der Morgenstern“.  Die erste Strophe dieses Liedes meditiert über die verschiedenen Namen Gottes, dieselben, die sich auch in der jüdischen wie in der islamischen Mystik wiederfinden.

Die Texte sind zentralen Glaubenssätzen der drei Buchreligionen, sowie dem Paulinischen 1. Korintherbrief, 13,12, nachformuliert.

4. Teil – Mystische Wahrheitsbilder eines Einzelnen

(Credo)

 

Das Credo verschmilzt den lateinischen Text des Christentums mit dem hebräischen, jüdischen Glaubensbekenntnis. Das vorangestellte sechsstimmige Dictum stellt die entsprechende Passage aus 5. Mose 6 vor.

5. Teil – Ein zweiter Gesang der Engel

(Sanctus und Osanna)

 

Der zweite Engelchor im Ordinarium, diesmal aus dem Alten Testament. Das vorangestellte Dictum übernimmt auch hier den Ursprung des liturgischen Textes, in Jesaja 6

6. Teil – Gesänge des Segens

(Benedictus, Osanna und Segen)

 

Das Benedictus hat, als Schlussteil des Sanctusgebets in der Liturgie, kein führendes Votum. Dafür ist, nach dem verkürzten Osanna, der Aaronitische Segen aus 4. Mose 6, 24-26  als kurzer Satz hinzugefügt: Der Text ist als einfaches Kinderlied gestaltet, das aber in der zweiten Strophe sechsstimmig und mit dem Motiv des Jüdischen Glaubensbekenntnisses (vergl. Credo) entfaltet wird.

7. Teil – Gesang der Erbarmung und des Friedens

(Agnus Dei und Dona nobis pacem)

 

Der Schluss des Ordinariums, als Doppelsatz. Das „Agnus“ korrespondiert mit dem Kyrie, fasst aber das motivische Material aller Sätze zusammen. Die Friedensbitte beschließt das Stück als 6-stg. Fugato.

Martin Luthers „Christe, du Lamm Gottes“ durchzieht die beiden Teiles des Chores.

Videoquellen und Rechte

Alle vorgestellten Materialien sind mit Hilfe des Rechners generierte Demo-Dateien. Dabei wurde der Bildschirm des Notensatzprogramms abgefilmt.

Zuweilen laufen bis zu 14 Einzelsysteme parallel. Auf meinem 13-Zoll-Notebook-Monitor kann ich die Texte nur noch erahnen. Für eine entspannte Mitlese-Lektüre“ sind Bildschirmgrößen ab 20′ und darüber hilfreich.

Autor der Noten und aller Materialien ist Thomas Jung, die Rechte liegen beim Autor.