Das (wachsende…) Noten-Portfolio soll mittelfristig, neben Blog und Podcast, die dritte Säule des Dreistromlandes werden. Die Noten sind zum Teil frei, zum Teil käuflich erhältlich. Infos zur Preisgestaltung oder Nicht-Preisgestaltung hab‘ ich hier zusammengestellt.

Eigentlich ist es jetzt, im Juni 2019, noch ein wenig früh, um von den Noten als einer „Dritten Säule des Dreistromlandes“ zu schreiben. Von einem „Portfolio“ kann noch keine Rede sein: Die Auswahl ist, nun…, übersichtlich, um es mit Loriot zu sagen. Mit Blick auf die Notensammlung hier auf dreistimmig.com liegt die Betonung aktuell eindeutig auf dem Stichwort „wachsend“.

Warum gibt es hier überhaupt Noten? Hat’s auf der Welt nicht genügend Musik? Auf delamar.de hab‘ ich eine eindeutige Meinung dazu gefunden…

Im Bereich der liturgischen Musik liegen die Dinge allerdings anders. Für bestimmte Szenarien gibt es, trotz der Jahrhunderte langen Geschichte, tatsächlich wenig Musik. Wobei ich aber sehr gerne zugebe, dass ich nicht alles kenne und auch keine Enzyklopädie der Chorliteratur im Kopf habe. Generell jedoch gilt sicherlich, dass frühere Generationen manche Probleme des frühen 21. Jahrhunderts schlicht nicht hatten. Hier…

Kleine Chöre. Oder große Chöre „auf Diät“…

…soll es um die Geschichten hinter den Noten gehen. Um die Motivation, sie zu schreiben.

Von meiner Wahrnehmung, dass das viele Jahrhunderte alte Erbe der Kirchenmusik insgesamt immer weiter aus dem Blickfeld großer Teile unserer säkularen Gesellschaft gerät, habe ich am Anfang des Podcasts erzählt. Diese Beobachtung ist ein Anlass für diesen Blog – vielleicht ist es dessen Hauptmotivation.

Die Entwicklung macht vor den Chören nicht halt. Eine wachsende Anzahl von Gemeinden klagt über mangelnden Chornachwuchs. Ehemals große Chöre schrumpfen zu klein besetzten Vokalensembles oder Gemeindesingkreisen.

Also…, ja, in meinem Berufsleben habe ich durchaus mit großen Chören gearbeitet. Dennoch ist mancher großstädtischer Gemeindechor in den Jahren tatsächlich klein geworden.

Oder ein Chor ist noch stark besetzt. Eigentlich! Bei großen Konzerten ist er das. Ganz ohne „eigentlich“. Aber pünktlich zu den Weihnachts- oder Ostergottesdiensten sind die Sängerfamilien mit Schulkindern in Urlaub: Der Chor schrumpft.

Andere besuchen die Verwandtschaft am anderen Ende der Republik: Der Chor schrumpft weiter.

Und unsere Chorliteratur? Die schert sich einfach nicht um Schulferien! Weigert sich, Stimmen abzugeben und bleibt während des Urlaubs, einfach so, vier- oder noch mehrstimmig. Durch Schulferien bedingte Reisewellen zählen zu den eher neuzeitlichen Phänomen und definitv zu den „Problemen“, die meine geschätzten Kollegen des 19. Jahrhunderts (und früher) nicht hatten. 😉

Die dreistimmigen Sätze, die ich kenne, sind – für mich – nicht immer brauchbar. Große, anspruchsvolle Literatur findet sich im Chorwerk Hugo Distlers. Dessen herbe Klanglichkeit jedoch passt nicht immer in jeden Kontext.
Andere dreistimmige Sätze sind simpel, handwerklich manchmal allzu simpel gestaltet. Oder Oktavparallelen machen aus „dreistimmigen“ Stücken de facto Zweistimmige.

Die „IKEA“-Idee

Kurz und gut: Irgendwann habe ich begonnen, eigene Sätze „a tre“ zu machen. Eines Tages kam mir die „IKEA“-Idee – so zumindest nenn‘ ich sie. Worum geht’s dabei?
Nun, der schwedische Möbelladen entwirft seine Möbel so, dass Vieles mit Vielem zusammenpasst und entsprechende Komponenten leicht kombiniert werden können.

Geht sowas nicht auch mit Noten? Also…, rein praktisch gedacht: Wie funktioniert unser kirchenmusikalischer Alltags-Job? Zu einem gegebenen Termin wird eine Andacht angesetzt, oder ein Gottesdienst. Oft mit einem Thema, dem Wochenlied und einer Choralauswahl. Dann wird der Chor nach einem Beitrag gefragt.

Beginn: “Da pacem Domine” á 3 (Martin Luther), Satz: Thomas Jung

Bei wenigen Sänger/Innen wäre es schön, etwas klein Besetztes zu haben. Vielleicht gibt es in der Gemeinde darüber hinaus Menschen, die Flöte, Violine, vielleicht Oboe spielen? Ein Tasteninstrument wird fast immer vorhanden sein.
Also…, wie wären Choralsätze, die der Chor dreistimmig ebenso ausführen könnte, wie zwei- oder einstimmig – während die fehlenden Stimmen von Melodieinstrumenten oder der Orgel ausgeführt würden?

Idealerweise würden die Sätze mehrere Ausführungsvarianten zulassen. Die Strophen könnten dann unterschiedlich gestaltet werden. Durch wechselseitiges Musizieren mit der Gemeinde ließe sich die Langlichkeit weiter angereichern. Und vielleicht gibt es noch eine obligate, instrumentale vierte Stimme über den drei Chorstimmen?

Zwei Sätze – viele Möglichkeiten

Die Möglichkeit, der Musik in immer neuen Klanggewändern zusammenzustellen und auf diese Weise kirchenmusikalische „Module“ zu erhalten, das ist meine „IKEA“-Idee. Die meisten Choräle/Lieder habe ich mit zwei Sätzen ausgestattet, einer davon zuweilen mit einer obligaten Oberstimme (die dann optional ist, also wegfallen kann, ohne dass der Chorsatz harmonisch unvollständig wird – siehe Beispiel unten).

Zuweilen sind größer angelegte Bearbeitungen darunter, die die Funktion eines Eröffnungs- oder Zentralchores übernehmen können, um die herum sich die kleineren Sätze anordnen lassen: Ein Baukastenprinzip in Noten.

Alternativ können die Stücke innerhalb der Liturgie mit Werken der Literatur kombiniert werden. Bei den choralgebundenen, dreistimmigen Sachen sollte das mit der Musik des 17. bis späten 19. Jahrhunderts gut funktionieren, so dass die gottesdienstliche Gemeinde keine Brüche wahrnimmt.

Beginn: Der Aaronitische Segen (einstimmig auch als Kinderlied)

Die „IKEA“-Idee hat noch einen anderen, thematisch-inhaltlichen Aspekt:

Falls eine größere Musik aufgeführt wird, sagen wir eine choralgebundene Bachkantate oder ein geistliches Konzert, könnte es reizvoll sein, denselben Choral an einer früheren Stelle des Gottesdienstes in kleiner Form mit der Gemeinde im Wechsel zu gestalten. Aufgrund des geringen Übe-Aufwandes wäre das leicht realisierbar. Sofern der diensthabende Prediger Motive der Choraltexte in seine Ansprache übernähme, entstünde eine in sich dichte, thematisch geschlossene Liturgie.

Apropos – ein Einwand: Auch ein Bachchoral lässt sich mit drei Sing- und einer Instrumentalstimme ausführen? Oder?

Sicher. Allerdings um den Preis klanglicher Inhomogenität. Meiner Ansicht wirken eine Viola, die die Chor-Altstimme übernimmt, oder ein Fagott, das den Chor-Tenor ausführt, innerhalb eines Vokalchores als Fremdkörper. Im Falle der Bachschen Choralsätze müsste jede der vier Stimmen klanglich unterschiedlich besetzt werden, um den Eindruck der Inhomogenität zu vermeiden – eine Einschätzung, die sicherlich subjektiv ist.

Dennoch: Bei drei Stimmen scheint mir der Aspekt klanglicher Uneinheitlichkeit unproblematischer zu sein. Gerade die Möglichkeit, Chorstimmen auf beliebige Instrumente „auszulagern“, verringert

  1. die Einstudierungszeiten massiv, erhöht
  2. die Variabilität ihrer Verwendung erheblich und eröffnet
  3. Möglichkeiten der Chorpädagogik (Stimmbildung, Klanglichkeit, Ensembletrainung, etc…)

Alternativ lässt sich mit Kontrasten spielen, wenn die tonalen Sätze mit Werken der Avantgarde konfrontiert werden.

Das Leben leichter machen…

Gedanke hinter den Noten ist es, mittelfristig eine Sammlung möglichst vielfältig verwandbarer Materialien aufzubauen, die zunächst den Kirchenmusiker/Innen, darüber hinaus aber auch allen anderen Chor- und Instrumentalensembles das Arbeitsleben ein Stückchen leichter macht.

Es wird daher nicht nur geistliche Vokalsätze geben, sondern auch freie Instrumentalmusik sowie weltliche Lieder und Bearbeitungen.

Mich selbst haben die Sätze ab und an durch diverse Veranstaltungen getragen. Nun: Was mir hilft, hilft wahrscheinlich auch anderen. Und so hoffe ich, dass sie auch Euch bei der Programmsuche ab und zu Anregungen sein können. Schaut Euch gerne um. Viele Noten sind kostenfrei.

Wenn Ihr Anregungen oder Wünsche habt, schreibt sie unten in die Kommentare.